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Nachruf auf Thomas Glaue

 

Im Alter von 80 Jahren verstarb im Januar 2016 Thomas Glaue, Gründer und Vorstand des Taiwan-Freundeskreises Bambusrunde e.V.

Sein Tod kam weder für uns noch für ihn selbst überraschend. Er hat sich – aufrecht und geradlinig – von vielen seiner Freunde persönlich verabschieden können.

Im „Bambusbrief“ Nr. 1 (Mai 2009) und anlässlich des vierzigsten Gründungsjubiläums der Bambusrunde schrieb Prof. Dr. Hans Stumpfeldt über Thomas Glaue:

 

„Genau vierzig Jahre ist das her, dass Sherman Shen, Direktor der ‚Fernostinformatio­nen’ in Hamburg, nach einer Persönlichkeit Ausschau hielt, die sich in der Öffentlich­keitsarbeit für die Republik China auf Taiwan engagieren könnte.

       ‚Fernostinformationen’ war damals die Bezeichnung der Taiwan-Vertretung in Ham­burg. Schon dieser ver­hüllen­de Name deutet an, dass es um das Ansehen dieses fern­öst­li­chen Staates hierzulande nicht gut bestellt war. Kaum jemand wusste etwas über diese Insel und den Staat Republik China, der seit 1949 auf ihr ansässig war. (...) Das sollte sich ändern.

       Die Blicke von Sherman Shen richteten sich auf Thomas Glaue. 1935 auf den Azoren, von woher die Sonnenwetter damals mit einiger Sicherheit hier eintrafen, geboren, hatte er schon eine abwechslungsreiche Laufbahn hinter sich: Journalist bei Tages­zeitun­gen in Frankfurt und Hamburg, Auslandskorrespondent in Madrid, Paris, Australien, USA, 1960 eine einjährige Weltreise. Jetzt war er Inhaber der Agentur ‚ipr. idee public relations gmbh’.

       Glaue ließ sich einiges einfallen. Dazu gehörte die Gründung eines Vereins, dessen Ziele folgende waren: ‚Journalisten, Geschäfts- und Privatleute, Deutsche und in Ham­burg ansässige Taiwan-Chinesen hatten sich zum Ziel gesetzt, in Deutschland auch das andere China bekannt zu machen: die Insel Taiwan, die (…) hinter dem Rücken des großen Bruders Volksrepublik gedieh.’

       Die Einladungen zur Vereinsgründung versandte er in Röhrchen von Bambus­stäm­men. Schon deren Beschaffung war kein einfaches Unterfangen gewesen, doch diese un­gewöhnliche Einladung sicherte ihr Beachtung. Der neue Verein erhielt den Namen ‚Fernostfreundeskreis Bambusrunde’, und Thomas Glaue wurde deren erster Vorsitzender und blieb das ein Jahrzehnt lang.

       Unter seiner Regie wurde auch das erste internationale Drachenbootrennen 1998 auf der Binnenalster anläßlich des 800. Hafengeburtstages veranstaltet.

       Noch heute Vorstandsmitglied der ‚Bambusrunde’, hat Thomas Glaue sich auch für diese weiter engagiert – mit Rat und Tat und Ideen. (...) Doch seine Wirkungskreise reichten viel weiter. Hierfür wurde er 1993 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.“

 

Wir haben Herrn Glaue in den gemeinsamen Bambusrundenjahren erst kennen, dann schätzen gelernt. Stets zeig­te er deutlich Haltung, hat seine Meinung geradlinig artikuliert, streitbar, mit heißem kämpferi­schen Atem, aber eben auch mit viel Charme und immer einem kessen Spruch auf den Lippen. Der Wesenszug, den ich persönlich an ihm am lieb­sten mochte, war seine Fähigkeit zur Selbstironie. Sich mit einem kleinen Lächeln selbst aufs Korn zu nehmen und zu zeigen, dass man sich selbst nicht so fürch­terlich wichtig nimmt, zeugt von Lebens­klugheit und den Erfahrungen eines bewegten, ereignis- und erfolg­reichen Lebens. – Mit der Überzeugung, dass man so ziemlich alles erreichen kann, wenn man es gut plant, profes­sio­nell kommuniziert und ge­ord­net umsetzt, hat Thomas Glaue viele gute, zuweilen unortho­doxe Ideen beigesteuert. Sein Sinn zum Praktischen hat aber auch manch über­kandidelten Plan auf das Machbare ge­stutzt.

 

Im Namen des Taiwan-Freundeskreises Bambusrunde e.V. gedenkt der Vorstand des außer­gewöhnlichen Menschen und Freundes Thomas Glaue, der unseren Verein jahrzehntelang ge­führt, geprägt und bereichert hat. Sein markanter „Typ“ wird uns fehlen.

 

Taiwan-Freundeskreis Bambusrunde e.V.

Dr. Gerd Boesken

Präsident

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Hamburgs ehemalige Chinatown – ein Rundgang nach 71 Jahren

Idee und Umsetzung: Bambusrunde-Vorstand Prof. Dr. Matthias K. Scheer

Standort des ehemaligen Chinesenviertels an der Hamburger Schmuckstraße
Standort des ehemaligen Chinesenviertels an der Hamburger Schmuckstraße

 

 

Am 24. September.2015 trafen sich um 18 Uhr mehr als 50 Mitglieder des Taiwan Freundeskreises Bambusrunde und ihre Gäste an der Gedenktafel für die ehemalige Chinatown an der  Ecke Talstraße/Schmuckstraße in St. Pauli.

 

Die Schmuckstraße ist den meisten Hamburgern wegen des Musikklubs Kaiserkeller/Große Freiheit 36 an ihrem linken Ende bekannt, in dem die Beatles in den Jahren 1960/61 auftraten, bevor sie erst ins Top Ten und dann in den Star Club wechselten. Das ist lange her. Noch länger her und nahezu völlig vergessen ist das ehemalige Chinesenviertel, das sich in der Schmuckstraße befand, aber auch bis in die Große Freiheit, die Talstraße und sogar in den Hamburger Berg reichte.

 

Der rechte Teil der Schmuckstraße besteht jetzt aus einem Bolzplatz und einem Grünstreifen, der in erster Linie zahlreichen Hunden als Anlauf- und Treffpunkt dient. Auf der linken Seite stehen nur noch zwei Häuser aus der Vorkriegszeit – Nr. 5 und Nr. 9 – und vermitteln einen ersten Eindruck davon, wie es hier einmal aussah. Der Rest fiel den Bomben und den Abrissbirnen der Nachkriegszeit zum Opfer. Einigen Hamburgern ist dieser Teil der Schmuckstraße als der Transvestitenstrich bekannt.

 

Bevor die Transvestiten ihre Nachtschicht beginnen und ihr Territorium gegen "Seh"-Leute verteidigen, nutzen wir die Zeit vor dem Ansturm der Rotlicht-Touristen und gehen zur Schmuckstraße Nr. 7. Dort befindet sich der meines Wissens einzige Stolperstein für einen ermordeten Chinesen in Hamburg. Die übrigen Stolpersteine in Hamburg sind in erster Linie Juden, Roma und Sinti, Zeugen Jehovas, Gewerkschaftsaktivisten, Sozialdemokraten, Kommunisten und sonstigen Gegnern der Nazis gewidmet. Dieser Stolperstein erinnert an den Gastwirt Woo Lie Kien, über dessen Schicksal ich gleich berichten werde.

 

Wir gehen wieder zurück zur Gedenktafel am Treffpunkt Schmuckstraße/Talstraße. Von 1899 bis 1944 lebten hier über 1.000 Chinesen und ihre deutschen Frauen und Freundinnen. Es waren in erster Linie ehemalige Seeleute aus Kanton und Hongkong, die als Heizer und Trimmer für die HAPAG und den Norddeutschen Lloyd gearbeitet hatten und in Hamburg hängen geblieben waren. Die überwiegend gute Zusammenarbeit zwischen der jungen Weimarer Republik und der jungen Republik China gipfelte im Abschluss eines Abkommens im Jahre 1921, das den Angehörigen beider Staaten weitgehende Niederlassungsfreiheit gewährte. Die Chinesen, die sich hier ansiedelten, betrieben u. a. Wäschereien, Gaststätten, Restaurants, einen Tabakladen und zwei Tanzsalons.

 

Die Situation verschlechterte sich im Jahre 1933, als die Nazis an die Macht kamen und ihre Vorstellungen von Rassereinheit durchsetzen wollten. Die Nürnberger Gesetze sollten ursprünglich Ehen und außereheliche Beziehungen zwischen Deutschen und allen sogenannten fremdrassigen Menschen verbieten. Dazu sollten neben den Juden, den Roma und Sinti auch Russen, Araber, Afrikaner und Ostasiaten gehören. Nach heftigen Protesten der japanischen und chinesischen Regierung hieß es regierungsamtlich, dass sich die Rassegesetze und der Tatbestand der Rassenschande ausdrücklich ausschließlich auf Juden bezogen.

 

Im Laufe der Zeit wurde aber klar, dass Ehen von Deutschen mit Chinesen nicht erwünscht waren, und dass Chinesen mit Kindern aus Beziehungen zu deutschen Frauen, wann immer es ging, ausgewiesen oder zumindest mit Anzeigen und Razzien wegen Devisenbesitzes oder angeblichen Opiumhandels drangsaliert wurden. Die meisten hier lebenden Chinesen verließen deshalb Hamburg, das ihnen gegenüber zunehmend ungastlich und ungemütlich wurde.

 

Nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Japan und China im Jahre 1937 stellte sich das Deutsche Reich ganz deutlich auf die Seite Japans. Im Jahre 1938 gründete die Gestapo eine „Zentralstelle für Chinesen“. Gleich nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor erklärten Deutschland den USA und China Deutschland den Krieg. Das war am 9. Dezember 1942. Nun waren die hier verbliebenen Chinesen plötzlich Angehörige von Feindstaaten, also der Republik China und – wegen des damaligen Kolonialstatus von Hongkong – Großbritanniens, wurden aber nicht interniert. Im Gegenteil, als chinesische Kriegsgefangene im Jahre 1943 nach Hamburg verbracht wurden, wurden sie überwiegend in der Hamburger Chinatown angesiedelt.

  

Am 13. Mai 1944 verhaftete die Gestapo im Rahmen der sogenannten Chinesenaktion alle in St. Pauli verbliebenen rund 130 Chinesen und ihre deutschen Frauen und Freundinnen. Ihnen wurde außer den üblichen Devisenvergehen in erster Linie „Feindbegünstigung“ vorgeworfen, weil sie u. a. angeblich den von ihnen aufgenommenen chinesischen Kriegsgefangenen zur Flucht verholfen hatten. Die meisten von ihnen wurden nach Zwischenstationen in der Davidwache und im Untersuchungsgefängnis im Holstenglacis (UG) ins Kolafu (Konzentrationslager Fuhlsbüttel) und ins „Arbeitserziehungslager (AEL) Langer Morgen“ in Wilhelmsburg gebracht. Dort sind nachweislich mindestens 17 von ihnen ums Leben gekommen.

 

Der Gastwirt Woo Lie Kien, dem der Stolperstein in der Schmuckstraße 7 gewidmet ist, wo er ein Kellerlokal betrieben hatte, wurde während eines Verhörs im Herbst 1944 zu Tode gefoltert.

 

Von hier biegen wir nach rechts in die Simon-von-Utrecht-Straße und wieder nach rechts in die Straße Hamburger Berg ein, wo wir nach wenigen Metern die Hong Kong Bar erreichen. In den 1930er Jahren gründete Chong Tin Lam, ein Seemann aus Kanton, diese Bar, die sich schnell zur Stammkneipe für chinesische Seeleute und die hier lebenden Chinesen entwickelte. Auch Chong Tin Lam wurde im Rahmen der Chinesenaktion verhaftet und erst kurz vor der Ankunft der Briten in Hamburg aus dem Arbeitserziehungslager entlassen.

 

Bald nach dem Krieg eröffnete er die Hong Kong Bar wieder und führte sie bis zu seinem Tode im Jahre 1981. Innen hängen zwei große Fotos, die ihn als jungen und als alten Mann zeigen, neben der Figur des Hausgeists, den er nach der Neueröffnung als Schutz vor Razzien und bösen Menschen aufstellte. Seine Tochter Marietta Solty, die 1943 geboren wurde und deren Mutter Deutsch-Polin war, steht immer noch hinter der Theke. Leider ist sie heute nicht anwesend. Wir trinken ein Glas Mexikaner (Tomatensaft, Schnaps, Tabasco und Pfeffer) oder Drachenblut (Lakritzenschnaps) für nur 0, 80 €.

 

Draußen hängt eine Protesttafel, die an die vergeblichen Versuche von Chong Tin Lam und vieler anderer Überlebender der Chinatown erinnert, nach dem Krieg Wiedergutmachung zu bekommen.

 

Von hier aus gehen wir durch die Straße Hamburger Berg bis zur Reeperbahn und weiter zur Davidstraße. Die berühmte Davidwache war damals zusammen mit dem Untersuchungsgefängnis (UG) im Holstenglacis der erste Ort, an den die Bewohner der Chinatown am 13. Mai 1944 gebracht wurden. Wir sprechen hier und im China Restaurant Copper House in der Davidstraße 37, wohin wir zum Essen gehen, über die sehr restriktive Wiedergutmachungspolitik der Nachkriegszeit. Im Copper Haus ist die Akustik leider nicht so gut wie das Essen. Der Versuch, mich verständlich zu machen, gelingt daher nur zum Teil. Die folgenden Erläuterungen sind wahrscheinlich untergegangen:

 

Nicht alle Opfer der Nazizeit bekamen nach dem Krieg die als Wiedergutmachung bezeichnete Entschädigung für erlittenes nationalsozialistisches Unrecht. Es musste sich gemäß § 1 Bundesentschädigungsgesetz um Menschen handeln, die entweder aus religiösen, weltanschaulichen, politischen oder rassischen Gründen verfolgt worden waren. Viele Opfer klagten vergeblich, weil sie nicht ausdrücklich aus rassischen oder politischen Gründen, sondern aus vorgeschobenen sonstigen, zumeist strafrechtlichen Gründen verfolgt worden waren. Das gilt für die angeblichen Devisendelikte und Feindbegünstigungen der Chinesen in Hamburg ebenso wie für sowjetische Kriegsgefangene, Mitglieder der Bekennenden Kirche, Angehörige der Swing-Jugend, Homosexuelle und viele andere.

 

Matthias K. Scheer, 14. Oktober 2015

 

Weiterführende Literatur:

 

Amenda, Lars, Die Welt an der Wasserkante. Chinesische Migranten in Hamburg und Bremerhaven 1890-1970, 81 Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte (2009) 121 -141 [auch im Internet unter Amenda]

 

Amenda, Lars, China in Hamburg, Hamburg, 2011

 

Eberstein, Bernd, Hamburg – China. Geschichte einer Partnerschaft, Hamburg, 1988

 

N. N. (wahrscheinlich Lars Amenda), Hamburger Chinesenviertel - Wikipedia

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„Vom Drachenboot zum Containerschiff“

Überraschungen auf dem 12. Drachenboot-Dinner der Bambusrunde

Der Honoratioren-Tisch des Drachenboot-Galadinners *
Der Honoratioren-Tisch des Drachenboot-Galadinners *

 

 

 

Es war wieder ein glanzvoller Abend mit einigen prickelnden Überraschungen: das 12. Drachenboot-Dinner des „Taiwan Freundeskreis Bambusrunde e. V.“ am 3. September 2015 im traditionsreichen Anglo-German Club in Hamburg. Über 50 Gäste hatten sich angesagt. Unter ihnen Prof. Monika Breuch-Moritz (Präsidentin Bundesamt für Seeschifffahrt), Michael Bruhns (Gf Bruhns Lagereigesellschaft), Agnes Chen (Repräsentantin Taipeh Vertretung in der BRD, Berlin), Klaus Francke (MdB a. D.), Jürgen Frank (Gf  HHLA), Dr. A. Geisler (Gf Zentralverband Dt. Schiffsmakler), Peter Griep (Präsident Dt. Bundesbank, Hauptverwaltung HH), Dr. Jan Grotheer (Präsident Dt.-Taiwanische Juristenvereinigung), Matthias Hempen (Director Asia WFB Wirtschaftsförderung Bremen).

 

 

Für die erste Überraschung sorgte Bambusrunden-Präsident Dr. Gerd Boesken mit seiner Begrüßungsansprache (siehe Redeauszug unten). Aktueller Anlass war die derzeit in allen Gesellschaftskreisen heiß diskutierte Flüchtlingsproblematik. Taiwan war schon in der Ming-Zeit Zufluchtsort für Flüchtlinge und sollte dies auch in den nächsten Jahrhunderten bleiben. Gerd Boesken: „Nach dem Bürgerkrieg wurden 1948/49 durch die Massenflucht der Chian-Kaishek-Truppen nicht nur 500.000 Militärs, sondern auch ca. 1,5 Millionen Zivilisten vom Festland nach Taiwan gespült. Leicht war dies auch für Taiwan nicht: Die Integration der Ankömmlinge ging mit heftigen sozialen und politischen Auseinandersetzungen einher...“

 

Die nächste Überraschung des Abends kredenzte Botschafterin Agnes Chen dem Chronisten persönlich: „Wir werden von Berlin aus Taipeh vorschlagen, die  hiesige dramatische Flüchtlingsproblematik etwas zu entlasten, indem Taiwan ebenfalls Flüchtlinge aufnimmt – als ein Zeichen von Solidarität.“ Schließlich sei Deutschland mit 15,5 Mrd. US $ Außenhandelsumsatz Taiwans größter Handelspartner in der EU, und über 50 deutsche Firmen seien bereits in Taiwan angesiedelt. Nicht nur das: Das Austauschprogramm mit jungen Leuten zwischen Deutschland und Taiwan bekäme immer mehr Zulauf.

 

After-Dinner-Speaker Peter Griep spannte in seinem Vortrag den Bogen von Taiwan aus erheblich weiter: Vom Drachenthron (1793) bis zum Containerschiff von heute und „die Rückkehr des Drachens in die Weltwirtschaft“. „Seit den 1950er Jahren“, so der Präsident der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Hamburg, „ist keine andere Region oder ein Wirtschaftsraum der Erde so schnell gewachsen wie Ostasien.“ Und: „Heute beträgt der Anteil Ostasiens an der Weltwirtschaftsleistung annähernd 15 %, was einer Verdoppelung seit dem Jahr 2000 entspricht.“ Außerdem: „In Taiwan, Hongkong und Südkorea ist der Lebensstandard auf einem Niveau mit den Industrieländern der westlichen Welt. 2013 entfielen bereits 19 % des gesamten Welthandelsvolumens auf die vier Länder China, Sükorea, Hongkong und Taiwan.“

 

Für die Skeptiker des ostasiatischen Wirtschaftsbooms und die finanzpolitischen Pessimisten hatte Griep als Bundesbank-Experte auch Tröstliches im Vortragsgepäck: „Aktuell erleben wir an den Finanzmärkten zwar große Nervosität vor allem wegen Chinas nachlassendem wirtschaftlichen Wachstum. Klar ist, dass zweistellige Wachstumsraten vorbei sind, Risiken bestehen besonders durch die stark gestiegene Verschuldung am Immobilienmarkt. Zur Zeit sehe ich aber noch keine Anzeichen für eine harte Landung oder eine drastische Wachstumsverlangsamung.“

 

Seit über 45 Jahren besteht die Bambusrunde und ist damit einer der beständigsten und ältesten Hamburger Ostasien-Vereine. Kein Wunder also, dass Vereinsmitglieder und Gäste im Anglo-German Club in Hamburgs vornehmen Stadtteil Harvestehude das 12. Gala-Dinner nach durchaus deutschem Menu geistig und körperlich gestärkt in Erinnerung behalten werden.

                                                                                                                              Thomas Glaue

 

* (v. l.): Heinz Werner Dickmann (Stellvertretender Geschäftsführer der Handelskammer Hamburg), DTJV-Präsident Dr. Jan Grotheer, Agnes Hwa-Yue Chen (Repräsentanten der Taipeh-Vertretung in der BRD), Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken, Peter Griep (Präsident der Bundesbank-Hauptverwaltung in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein) und Gattin, Bambusrunde-Vorstand MdB a.D. Klaus Francke, Mareke Hamacher-Boesken (Gattin von Dr. Gerd Boesken und Rechtsanwältin bei WotaxLaw) 

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Taiwan hat Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen

Zum Drachenboot-Dinner, festlicher Höhepunkt des "Bambusrunden"-Jahres 2015, lud der Taiwan-Freundeskreis am 3. September erneut in den altehrwürdigen Anglo-German-Club. Im Beisein von Frau Agnes Chen, Repräsentantin der Republik China auf Taiwan in Deutschland, und dem After-Dinner-Speaker Peter Griep, Präsident der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Hamburg, griff Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken in seiner Begrüßungsrede das Flüchtlingsthema auf und verwies auf Parallelen in der taiwanischen Geschichte. Hier ein Auszug:

Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken fesselt die Gäste des traditionellen Drachenboot-Galadinners mit seinen Ausführungen zu den Flüchtlingsbewegungen in Taiwan.
Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken fesselt die Gäste des traditionellen Drachenboot-Galadinners mit seinen Ausführungen zu den Flüchtlingsbewegungen in Taiwan.


"(...) An dieser Stelle habe ich in den Vorjahren stets etwas zum Hintergrund der Bambusrunde gesagt, z. B. dass der Verein nun schon 45 Jahre besteht und damit einer der beständigsten – und ältesten – Hamburger Ostasien-Vereine ist. Oder, dass wir stolz sind, ausgerechnet mit Taiwan gute freundschaftliche Bindungen zu pflegen, einem Land, das – für Asien – eine beispiellose Entwicklung ,ganz in unserem Sinne' hingelegt hat: von einer wirtschaftlich rückständigen lnsel hin zu einem supermodernen, international vernetzten Technikstandort, und politisch: von einem autoritären Regime hin zu Asiens ausgereiftester Demokratie!

 

Erlauben Sie mir heute – auch aus aktuellem Anlass – einen anderen Aspekt zu beleuchten: die Erfahrungen, die Sie in Taiwan mit dem Thema Auswanderung und Aufnahme signifikanter Zahlen an Flüchtlingen gemacht haben. Immer wieder frappieren mich die Gemeinsamkeiten mit Deutschland!

 

Nach dem II. Weltkrieg stand man bei uns vor der Aufgabe, ca. 12 Millionen sogenannte „displaced persons“ (Flüchtlinge, Vertriebene oder ausländische KZ-Insassen) in das massiv zerstörte und verkleinerte Nachkriegsdeutschland zu integrieren. Zwölf Millionen kamen auf gesamtdeutsch etwa 65 Millionen Deutsche, also fast 20%, die im Übrigen zunächst sehr ungleich verteilt wurden: 18% in der amerikanischen Besatzungszone, 15% in der britischen, nur 1% in der französischen, aber über 25% in der sowjetischen Besatzungszone. – Die Integration dieser „Zugereisten“ war schwierig, funktionierte erst im Lauf der Zeit besser, als das Wirtschaftswunder alle verfügbaren Arbeitskräfte aufsog und der kleine Wohlstand die großen Unterschiede verschwimmen ließ.

 

Ganz ähnlich in Taiwan: Nach dem Bürgerkrieg wurden 1948/49 durch die Massenflucht der Chiang-Kaishek-Truppen 500.000 Militärs und ca. 1,5 Millionen Zivilisten vom Festland nach Taiwan gespült. Die zu Ende des Krieges etwa sechs Millionen umfassende Einwohnerschaft Taiwans wuchs auf einen Schlag um 25% auf über acht Millionen!

 

Der soziale Druck war sogar dramatischer als in Deutschland. Enorme Anstrengungen waren nötig! Aus heutiger Sicht ist alles gut gegangen. Aber leicht war es auch in Taiwan nicht: die Integration der Ankömmlinge ging mit heftigen sozialen und politischen Auseinandersetzungen einher, mit Verteilungskämpfen und der schmerzlichen Erkenntnis, die alte Heimat für immer verloren zu haben und in der neuen Heimat noch keine Wurzeln schlagen zu können oder zu wollen.

 

Wie bei uns entstand eine eigene Literatur, die die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat oder die sozialen Spannungen, Sprachbarrieren und kulturellen Missverständnisse im alltäglichen Miteinander zwischen „Alteingesessenen“ und den „Fremden Neuen“ thematisierte.

 

Vielleicht ein Vorteil, dass Taiwan schon in früheren Zeiten Ziel von „Auswanderung und Wirtschaftsflucht“ gewesen ist, Anziehungspunkt für Menschen, die auf der Flucht vor dem Gesetz, vor Krieg und politischen Verwerfungen, und auf Suche nach „Lebensraum“ oder „Lebenserwerb“ ihre angestammte Heimat in den südlichen chinesischen Provinzen Guangdong und Fujian verließen und zu „neuen Ufern“ aufbrachen. Dass Flüchtlinge ankamen und in die Gemeinschaften integriert werden mussten, war über Jahrhunderte gewissermaßen taiwanischer Alltag.

 

Die ersten chinesischen Siedler auf Taiwan waren Hakka, die über die Peskadoren im 09. und 10. Jhdt. nach Taiwan gelangten, und hier der durchaus wehrbereiten indigenen Ureinwohnerschaft Stück für Stück Gebiete abrangen, die sie gegen diese und versprengte japanische Seeräuber, die von Taiwan aus ihre Beutezüge unternahmen und später gegen holländische Kollonialisten zu verteidigen hatten.

 

Für die frühen chinesischen Siedler war Taiwan nicht das erträumte Paradies, das die Portugiesen im Vorbeifahren als „Ilha Formosa“ bewunderten. Eher war es ein Ort, an dem man sich gegen die Unbilden der Natur, gegen kriegerische Kopfjäger und kriminelle Piraten durchzusetzen hatte. Eine Art „Wild East“, wo oft das Recht des Stärkeren galt, und die sozialen Gemeinschaften sich erst langsam zivilisierte Regeln schufen.

 

Begünstigt durch die sogenannte Seeverbotspolitik der Ming, die einen breiten Küstengürtel der südchinesischen Provinzen entvölkern ließen, damit es für japanische Seeräuber dort nichts mehr zu holen gab, setzte erst viel später im 17. Jhdt. eine systematische und konsequente Besiedlung und Nutzung Taiwans durch chinesische Auswanderer ein. Der Anteil der Chinesen an der taiwanischen Bevölkerung wuchs, kulturell fand so etwas wie eine Sinisierung der Insel statt, und schließlich wurde die Insel von den Mandschus ihrem Reich angegliedert.

 

Genau genommen blieb aber und ist die taiwanische Gesellschaft bis heute ein kultureller Schmelztiegel mit sehr heterogenen Elementen, sowohl der chinesischen als auch der japanischen Tradition, gespickt mit Einflüssen der Kulturen der indigenen Völkerschaften.

 

Das Bewusstsein, dass die unterschiedlichen ethnischen und historischen Besiedlungs- und Einwanderungswellen eine typisch taiwanische Mischung hervorgebracht haben, ist recht präsent, ja, man ist stolz darauf. – Stolz auch auf die Energie, die ihre Gründerväter und Urahnen aufgewendet haben, um überzusiedeln. Flucht und Auswanderung ist nichts für Feiglinge!

 

Täglich hören wir in den letzten Wochen und Monaten Nachrichten von gekenternten Booten und Menschen, die auf der Flucht ums Leben kommen, nehmen Anteil am Schicksal der Kriegsflüchtlinge. – Auch Taiwans Volksgeschichten und Mythen von Dorf- oder Tempelgründern erzählen von Krankheit und Gefahr, von Mord- und Totschlag und den unwahrscheinlichsten Abenteuern, die Aussiedler bei ihrer Fahrt über die Taiwanstraße zu überstehen hatten ... und dann: Dann sehen wir auf das heutige Taiwan, und können nur staunen, was für ein tolles Gemeinwesen daraus entstanden ist! – Warum soll uns das nicht Ansporn für uns selbst sein, die vor uns liegenden Herausforderungen mit Mut anzunehmen und in der Zuwanderung auch Chancen, nicht nur Gefahren, zu sehen! (...)"

 

 

HINWEIS: 

Dieses faszinierende Kapitel der taiwanischen Kultur wird Dr. Boesken im Spätherbst mit einer

kleinen Gruppe "nach-er-fahren". Titel der Reise ist: "Taiwan und Vietnam – Auf

den Spuren südchinesischer Auswanderer (17. bis 31. Oktober 2015)." Wer noch

mitfahren möchte, möge sich schnell melden! Stand heute ist noch ein Doppelzimmer und

ein Einzelzimmer zu haben!

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Zwischen Backsteinen und Sand am Strand

Ausflug der Bambusrunde an die Ostsee von Bad Doberan über Heiligendamm nach Kühlungsborn

Bürgermeister Semrau (ganz rechts) und Stadtpräsident Krauleidis (dritter von rechts) bei der Begrüßung der „Bambusblätter“
Bürgermeister Semrau (ganz rechts) und Stadtpräsident Krauleidis (dritter von rechts) bei der Begrüßung der „Bambusblätter“

Es war fünf Uhr morgens. Der Wecker schrillte. Der erste Hahnenschrei war noch nicht ertönt. Wahrscheinlich hatte der Kerl wieder verschlafen. Wir wohnen eben auf dem Lande in der Nordheide. Aber um 8.15 Uhr sollte vom Hamburger Hauptbahnhof der mit 32 Bambusrunden-Mitgliedern (hier kurz immer „Bambusblätter“ genannt) gefüllte Bus zu einer weiteren Seemann-Abenteuerfahrt starten. Bambusrunden-Finanzvorstand Jürgen Seemann ist dankenswerterweise der engagierte Organisator. Ziel diesmal: Bad Doberan und Kühlungsborn an der Ostsee. Es wurde ein Ausflug zwischen Backsteinen und Sand am Strand.

 

Wir fuhren über die Ostsee-Autobahn an Lübeck vorbei über die einstige Grenze zur DDR in die grüne Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern, von den Feldern winkte uns aus roten Inseln der Klatschmohn zu. 10.30 Uhr parkten wir am Doberaner Münster, der einstigen Zisterzienser Klosterkirche. Ein geführter Rundgang durch das 1171 gegründete Münster folgte: Für viele der mitreisenden Bambusblätter ein wahres und nachhaltiges kulturhistorisches Erlebnis. Unsere taiwanischen Freunde und Freundinnen staunten über die unglaublichen Schätze, die eine Kirche in Norddeutschland beherbergt.

Ein ganz persönlicher Erlebnisbericht von Thomas Glaue

Der Schwan vor dem Doberaner Münster
Der Schwan vor dem Doberaner Münster

Wir ließen uns erzählen vom ältesten Flügelaltar in der Kunstgeschichte, wanderten vorbei an Gräbern, Sarkophagen und Grabplatten von Herzögen, Fürsten und Königinnen, bewunderten den über unseren Köpfen schwebenden Leuchter mit der 700 Jahre alten Marienfigur. Sie blickte auf uns herab mit ihrer Sternenkrone „mit der Sonne bekleidet und den Mond zu ihren Füßen“. Wir durften Platz nehmen auf Jahrhunderte altem Chorgestühl der Mönche und dabei auch „die Klappe halten“. Ein erfreuliches Nebengeräusch produzierte ein wunderbarer Männerchor. Wenn wir die Köpfe hoben blickten wir durch farbenprächtige Kirchenfenster.

 

Daneben gab es auch noch Handfestes zum Anfassen: Etwa einen der vielen Millionen Backsteinen aus denen das Münster besteht. Unser kräftiger Finanzvorstand Jürgen Seemann brach unter dem Gewicht von 16 Pfund zwar nicht zusammen, aber hatte sich doch in dem Gewicht verschätzt – wie alle anderen Bambusblätter und der Chronist auch.

 

Nach dem „Kirchgang“ erwartete uns der friedliche Klosterpark mit der legendären Figur eines Schwans, der an die Klostergründung erinnerte: Fürst Nikolaus von Rostock suchte einst einen Standort zur Klosterstiftung. Der Ort sollte durch den ersten erlegten Hirsch angezeigt werden. Der Fürst erlegte den Hirsch, aber den Mönchen erschien der sumpfige Ort als ungeeignet. Da flog ein Schwan (siehe Foto) aus dem Dickicht und schrie „dobr, dobr (slawisch = gut). Das deuteten die Mönche als himmlisches Zeichen und bauten ihr Kloster an dieser Stelle. Daraus wurde Doberan (slawisch = guter Ort).

Touristenspaß: Die Bäderbahn „Molli“
Touristenspaß: Die Bäderbahn „Molli“

Der Ruf vom Taiwan-Freundeskreis Bambusrunde e. V.  hat sich natürlich auch bis Bad Doberan herumgesprochen. So war es nicht nur natürlich, sondern auch eine Ehre für die Bambusblätter, dass sie am Bahnhof der Bäderbahn mit dem niedlichen Namen „Molli“ vom Bürgermeister Thorsten Semrau und seinem Stadtpräsidenten Stephan Krauleidis mit freundlichen Worten begrüßt und empfangen wurden. Anschließend stiegen wir ohne Angst vor Kohlenstaub und Umweltverschmutzung in den Molli-Salonwaggon während die über 70 Jahre alte Lok 99 2324-4 ihren Dampf schon in den inzwischen blauen Himmel pustete. Ein Erlebnis dem auch dem jüngsten Bambusblatt Timmy Yeh (8) coolen Spaß abgewinnen konnte.

Timmy vor der Molli-Lok
Timmy vor der Molli-Lok

 

Natürlich hielt Molli auch in dem inzwischen historisch gewordenen Heiligendamm, wo Angela Merkel einst die G7-Staatslenker empfangen konnte. Mit der Historie soll man es aber auch nicht übertreiben, und so dampften wir weiter nach Kühlungsborn zum gemeinsamen Mittagessen mit Dorsch und/oder mecklenburgischem Schweinebraten im nostalgischen früheren Wartesaal GLEIS 2. (Was hatten die früher für schöne Wartesäle!). Mit gefülltem Magen gabs dann den Strandspaziergang. Hier konnte man diverse Bambusblätter mit Strohhut und anderem Sonnenschutz auf der Promenade Kaffee trinken oder Eis essen sehen.

 

Lediglich die rote Weste des Präsidenten Dr. Gerd Boesken sah man tapfer durch die Wellen der Ostsee stapfen. Den Sand vom Strand wischte er sich anschließend Kraft auftankend auf einem Café-Liegstuhl von den Füßen (siehe Foto). Wer sich für die Historie von Kühlungsborn interessierte konnte von Einheimischen zwischendurch von makabren Immobiliengeschäften damals und heute erfahren – etwa wie aus einem Privat-Palast ein Hotel wurde oder nach der Wende ein Cleverle eine herrschaftliche Villa von der Stadt kaufte, die heute nun baufällig dahingammelt ...

Strandläufer Dr. Gerd Boesken in der Erholungsphase
Strandläufer Dr. Gerd Boesken in der Erholungsphase

Auch der schönste Ausflug hat ein  Ende, und so reisten die Bambusblätter ohne Verluste wieder gen Hamburg - gut chauffiert von unserem 72jährigen Busfahrer (nur alle fünf Jahre gibt es eine Eignungsprüfung), der zwischendurch auch nach einem 13stündigen Arbeitstag noch Aufträge per Telefon annehmen musste. Wir kamen trotzdem heil und gut gelaunt wieder am Hamburger Hauptbahnhof an. Auch wenn die Gesamtfahrzeit für uns Nordheidjer sich auf sechs Stunden summierte: Es hat sich gelohnt. Schon weil einige Taiwaner und Taiwanerinnen diverse positive Erkenntnisse über unsere schöne norddeutsche Heimat eines Tages auch in den Fernen Osten mitnehmen werden. Auch Timmy (8) wird sich sicher später noch an die alte Dampflok erinnern ...

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Angebot der Taipeh-Vertretung: TOCFL Test of Chinese as a Foreign Language

Die Taipeh-Vertretung in Hamburg führt künftig den neuen Sprachtest TOCFL Test of Chinese as a Foreign Language durch. Für diesen Sprachtest, der unter der Regie des Bildungsministeriums der Republik China entwickelt wurde, sind sowohl Lang- als auch Kurzzeichen erlaubt. Speziell für die Antragsstellung für Stipendien nach Taiwan wird dieser Test positiv in die Bewertung mit aufgenommen. Mehr Infos unter: www.tw.org/tocfl/

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Vereinspräsident Dr. Gerd Boesken im Interview mit RTI Radio Taiwan International

Dr. Gerd Boesken
Dr. Gerd Boesken

 

 

Dr. Gerd Boesken ist nicht nur Vereinspräsident des Hamburger Taipei-Freundeskreis Bambusrunde e.V., sondern hat darüber hinaus eine langjährige Verbindung zu Taiwan. Im Rahmen seines Studiums der Sinologie hat er seit Ende der 1970er bis zu seiner Promotion Mitte der 1980er Jahre viel Zeit in Taiwan verbracht und auch seine Doktorarbeit über das taiwanische Volkstheater "Ge Zai Xi" geschrieben. Dazu ist er seit mehr als zehn Jahren u. a. im Rahmen seiner Tätigkeit für die Hamburger Bambusrunde wieder regelmäßig in Taiwan. Darüber und auch über sein Unternehmen, Ostasien Service GmbH, erzählt Dr. Boesken im Gespräch mit Ilon Huang im Wochenendmagazin des Senders RTI Radio Taiwan International.

 

Das gibt es in vier spannenden Folgen zu hören/zum Nachhören:

 

Samstag, den 11. April 2015: Eine Übersicht - u. a. wie es für Dr. Gerd Boesken mit seinem Studium der Sinologie in Göttingen angefangen hat (wobei nicht nur die Semesterparty in einem kleinen Pavillon der Grund dafür war) und wie sein Interesse für das taiwanische Volkstheater in einem Tempel in Hsinchu bei Tee und Schachspiel geweckt wurde.

 

Samstag, den 18. April 2015: Dr. Boesken geht im Detail auf seine Doktorarbeit zum Thema "Ge Zai Xi/歌仔戲" ein. Außerdem erzählt er über seine Reisen durch Taiwan während seiner Studienzeit (u.a. wie er mit einem Scooter das Zentralgebirge überquerte) und wie er die politischen Veränderungen in Taiwan Anfang der 1980er erlebt hat.

 

Samstag, den 25. April 2015: Nachdem Dr. Boesken nach dem Ende seiner Doktorarbeit lange Zeit nicht in Taiwan war, kehrt er nun seit über 10 Jahren wieder sehr häufig nach Taiwan zurück. Im dritten Teil des Gespräches geht es u.a. um einige Veränderungen, die Dr. Boesken in Taiwan aufgefallen sind. Dazu geht Dr. Boesken auf die Tätigkeiten und den Hintergrund der des Hamburger Taipei-Freundeskreis Bambusrunde e.V ein.

 

Samstag, den 2. Mai 2015: Mit seinem Unternehmen Ostasien Service GmbH schlägt Dr. Boesken eine Brücke zwischen Deutschland/Europa und Ostasien. Im vierten und letzten Teil des Gespräches erzählt Dr. Boesken mehr über die Tätigkeit der Ostasien Service GmbH und hat auch einen Ratschlag für deutsche Unternehmen, die in China oder Taiwan tätig sein wollen.

Um zur ersten Sendung zu gelangen, einfach auf das Foto oben klicken oder folgende URL in das Browserfenster eingeben: http://german.rti.org.tw/audioHighLights/?recordId=13279 und anschließend oben das Kopfhörer-Symbol drücken. Falls der Mitschnitt etwa auf der Hälfte stoppt, muss man sich noch registrieren. Wer das vermeiden will, hat hier die Möglichkeit, die  einzelnen Sendungen herunterzuladen und per mp3-Player (etwa über iTunes) anzuhören:

Wochenendmagazin_2015_0411_Dr Gerd Boesk
MP3 Audio Datei 13.8 MB
Wochenendmagazin_2015_0418_Dr Gerd Boesk
MP3 Audio Datei 13.8 MB
Wochenendmagazin_2015_0425_Dr Gerd Boesk
MP3 Audio Datei 13.8 MB
Wochenendmagazin_2015_0502_Dr Gerd Boesk
MP3 Audio Datei 13.6 MB

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Jiaozi Fest

Frisch gemachte, leckere chinesische Teigtaschen: Jiaozi – gedämpft und gebraten. Am Donnerstag, den 15. Januar 2015 um 18:00 Uhr im Chinarestaurant Din Hao, Kurze Mühren 6, 20095 Hamburg-Mitte.

 

 

Jiǎozi (餃子) ist heute der gebräuchliche Name für eine der traditionellen Arten chinesischer Teigtaschen, je nach Zubereitung auch shuǐjiǎ水餃 (in kochendem Wasser zubereitet), zhēngjiǎ蒸餃 (gedämpft), guōtiē 鍋貼 (“Pfannenkleber“) oder húntún 餛飩 - um nur einige der unzähligen, und nach Landschaft variierenden Namen zu nennen. Man kennt sie bei uns als „Dumplings“, „Chinesische Ravioli“ oder „Maultaschen“. Erwähnt wurden Jiaozi-ähnliche Speisen bereits im vierten Jahrhundert vor Christus, der Name selbst taucht allerdings erst in der Songzeit als “角兒 (jiǎo ér, kleine Eckchen)” auf. 

 

Herr YANG wird uns – wie schon häufig – mit diesen und anderen Leckereien der chinesischen Küche bekannt machen. Mit dem Jiaozifest der Bambusrunde wollen wir das zur Neige gehende Jahr des Pferdes verabschieden und uns schon ein wenig auf das – allerdings erst am 19. Februar beginnende – Neue Jahr des Schafes einstimmen.

 

Schüler und Studenten zahlen 10,00 und alle anderen € 15,00 pro Person (exklusive Getränke). Auch Nichtmitglieder heißen wir als Gäste herzlich willkommen. Jeder möge den jeweiligen Betrag zzgl. der konsumierten Getränke direkt bei der Bedienung bezahlen. Gäste und Mitglieder, die am Jiaozifest teilnehmen möchten, bitten wir bis Freitag, 09. Januar 2015 um verbindliche Zusage. Wir möchten Sie höflich darauf aufmerksam machen, dass wir Ihnen bei Nichterscheinen den entsprechenden Betrag in Rechnung stellen müssen. 

 

gez. Dr. Gerd Boesken 

- Präsident –

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Einladung zum Drachenboot-Dinner am 25. September 2014

Vortrag von Dr. Michael Zickerick: "Welchen Weg geht Taiwan?"

After-Dinner-Speaker Dr. Michael Zickerick
After-Dinner-Speaker Dr. Michael Zickerick

Der Taiwan Freundeskreis Bambusrunde e.V. bittet zu seinem traditionellen Drachenboot-Dinner: am Donnerstag, 25. September 2014, um 19 Uhr, im Anglo-German-Club, Harvestehuder Weg 44, Hamburg.

 

Dr. Gerd Boesken, Präsident der Bambusrunde, wird die Gäste willkommen heißen. Anschließend spricht Ihre Erlaucht Frau Agnes Chen, Repräsentantin der Republik China auf Taiwan in Deutschland und frühere Generaldirektorin in Hamburg, das Grußwort.

 

Als After-Dinner-Speaker referiert Dr. Michael Zickerick, bis Juli 2014 Generaldirektor des Deutschen Instituts Taipei in Taiwan, über das Thema:

 

„Welchen Weg geht Taiwan? Ein Land im Spannungsfeld: Hightech-Gesellschaft – demokratische Ausgestaltung – Beziehung zum großen Nachbarn – internationale und regionale Integration versus Isolation“

 

Die Bambusrunde freut sich auf einen interessanten Diskurs bei einem erlesenen Essen.

 

Interessenten können sich per E-Mail unter post(at)bambusrunde.de anmelden. Es sind noch einige Plätze frei.

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Was Sie über Herrn Dr. Michael Zickerick wissen sollten:

 

Von September 2011 bis Juli 2014 stand Dr. Michael Zickerick (65) als Generaldirektor an der Spitze des Deutschen Instituts Taipei –  der deutschen Auslandsvertretung in Taiwan. Die Aufgabe des seit Februar 2000 bestehenden Instituts ist die Pflege und Förderung der deutsch-taiwanischen Beziehungen insbesondere auf den Gebieten Kultur und Wirtschaft. Es verfügt über eine Konsular-, Kultur-, Presse- und Wirtschaftsabteilung und ist seit Herbst 2010 auf das Thema ökologische und soziale Nachhaltigkeit spezialisiert.

 

Dr. Michael Zickerick wurde 1948 in Braunschweig geboren. Er studierte Sozialwissenschaften, Politik- und Kommunikationswissenschaften in München, den USA und der Schweiz und promovierte 1979 in München mit seiner Dissertation zum Thema „Deutsche Auswärtige Kulturpolitik: Konzeption, Rezeption und Wirkung“.

 

Nachdem er anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Lagos/Afrika tätig war, trat er 1980 in den Höheren Auswärtigen Dienst ein und arbeitete in Botschaften in Tunesien, Uganda, Jamaika und den USA.

 

Es folgten ab 1997 drei Jahre im Auswärtigen Amt in Bonn und Berlin, wo er in der Wirtschaftsabteilung für das Transformationsprogramm für Osteuropa und den Stabilitätspakt zuständig war.

 

Seine nächsten Stationen: Botschafter in der Republik Moldau, Gesandter an der Botschaft in Teheran/Iran und Generalkonsul in Djidda/Saudi Arabien – bis er 2011 ins Deutsche Institut Taipei wechselte.

 

Herr Dr, Zickerick ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Zwischen Lotosblüten und Bambuswald

Ein vergnüglicher Spaziergang mit der Bambusrunde durch das Arboretum

Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken mit seiner Quetschkommode vor den Lotosblüten im Arboretum
Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken mit seiner Quetschkommode vor den Lotosblüten im Arboretum

Ellerhoop, 9./10.8.2014.- Wer Glück hatte wie ich, den holte Bambusrunden-Vorstand Jürgen Seemann persönlich am Eingang ab zu einem gemütlichen Spaziergang durch das sagenhafte Blütenmeer des Arboretums in Ellerhoop. Ziel war der Arboretum-See mit seinem in voller Pracht blühenden Lotos. Hier hatte der Taiwan-Freundeskreis Bambusrunde e. V. sein Zelt aufgeschlagen, sein original Drachenboot (mit voller Paddelbestückung) ausgestellt, hier tanzten junge Taiwanerinnen, und Bambuspräsident Dr. Gerd Boesken mit unkenntlich machender Kappe und Akkordeon praktizierte hier mit Kindern seinen Musik-Workshop. An diesem Wochenende am Sonnabend und Sonntag (9. und 10. August) stand das Arboretum ganz im Zeichen des Lostosblütenfestes – auch wenn mehr Busladungen Grauköpfe lustwandelten als deren Enkel. 

 

Wer sich jedoch nicht allein bei den Lotosblüten aufhalten wollte, der konnte gleich nebenan durch einen Bambus-Dschungel spazieren. Bambus – die Pflanze, die dem Freundeskreis seinen Namen zu verdanken hat. Lotos und Bambus – was haben sie gemeinsam? Das Seerosengewächs hatte schon immer in alten Kulturen, Religionen und Künsten seine mythische Bedeutung, dem Urwasser entsprossen, als Sinnbild der Regeneration, Keimzelle der Schöpfung und ornamentales Motiv in der (vor allem ägyptischen) Baukunst. Der Bambus hingegen als profanes Gegenstück diente seit jeher und auch heute noch als Bau- und Gerüstmaterial beim Häuserbau und zur Möbelfertigung. Welch eine Symbiose zu gegenseitigem Nutzen!

Beim Spaziergang durch den Zauberpark vom Förderkreis Arboretum e. V. (gegründet 1988 von Dipl. Ing. Prof. Dr. Hans-Dieter Wanda) ging es vorbei an Dahlien aller Farben, Rosen und Hortensien, Glyzinien und versteinerten Bäumen, man lustwandelte als Großstädter durch den Bauern- und  den Heidegarten, erklomm den Weinberg oder entspannte in einem der Pavillons. Zurück am Taiwan-Zelt gab es gebratene Ente mit Nudeln im Becher. Wer wiederum Glück hatte, konnte sich mit Bambusrunden-Vorstand und Organisator der Taiwan-Beteiligung, Dr. Detlev Langmann, unterhalten oder mit Arboretum-Vater Prof. Dr. Wanda – kenntlich an seiner roten Kappe. Kompliment eines Besuchers an Prof. Wanda: „Hier verblasst die Wilhelmsburger Bundesgartenschau 2014 so als hätte sie nie stattgefunden.“

Thomas Glaue

 

Nachtrag: Der Förderkreis Arboretum hat 1.400 Mittglieder. Nicht alle konnten in die Bambusrunde aufgenommen werden ...

 

Nachtrag der Redaktion: Zum Auftritt der Bambusrunde im Rahmen des Lotosblütenfestes steuerte Bambusrunden-Mitglied Prof. Dr. Hans Stumpfeldt eine "Kulturgeschichte des Lotos in China" bei. Die Seiten wurden im Bambusrunde-Zelt auf den Tisch geklebt und von vielen Besuchern mit großem Interesse studiert. Immer wieder kam die Frage auf, ob man diese Abhandlung irgendwo nachlesen könne, es etwa einen Flyer gebe oder sie im Internet zu finden sei.

 

Hier der Aufsatz als Download:

Prof. Dr. Hans Stumpfeldt zur Kulturgeschichte des Lotos in China
Kulturgeschichte_der_Lotosbluete.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.2 MB

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Vortrag von Jun.-Prof. Dr. Sarah Kirchberger:

"Das Bild Taiwans in der Beijinger Geschichtszeitschrift 炎黄春秋 Yánhuáng chūnqiū"

Jun.-Prof. Dr. Sarah Kirchberger
Jun.-Prof. Dr. Sarah Kirchberger

Im Anschluss an die Hauptversammlung des Taiwan Freundeskreises Bambusrunde e.V am 17. Juni 2014 begeisterte Frau Jun.-Prof. Dr. Sarah Kirchberger (Foto) vom Afrika-Asien-Institut die Teilnehmer mit ihrem spannenden Vortrag "Das Bild Taiwans in der Beijinger Geschichtszeitschrift 炎黄春秋 Yánhuáng chūnqiū".

 

Dem Magazin wird eine Affinität zu reformerischen Kräften innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas nachgesagt. Mindestens elf Mal habe die Zentralregierung nach Angaben von Frau Kirchberger bereits versucht, die Redaktion zu schließen; immer wieder sei auch die Website des Titels abgeschaltet worden. Die Sinologin untersuchte die Taiwan-Berichterstattung der Publikation - mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. Ein Fazit: "Viele Protagonisten der neuen Bürgerrechtsbewegungen in der Volksrepublik halten Taiwan anscheinend für ein durchaus nachahmenswertes Beispiel der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung."

 

Der gesamte Aufsatz ist hier als Download verfügbar:

Vortrag Jun.-Prof. Dr. Sarah Kirchberger: Das Bild Taiwans in der Beijinger Geschichtszeitschrift Yanhuang Chunqiu
VortragS.Kirchberger_TaiwanInYHCQ_Bambus
Adobe Acrobat Dokument 5.6 MB

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Ausflug nach Neuwerk am 14. Juni 2014

Waren schon die Ausflüge in den letzten Jahren, zum Beispiel nach Helgoland oder nach Angeln, legendäre Events, so haben Ursula und Jürgen Seemann mit der Organisation des diesjährigen Ausflugs nach Neuwerk am Samstag, 14. Juni 2014, einen neuen Standard gesetzt. Dat war mal WATT! Wir werden uns lange an die tolle Fahrt mit den Fuhrwerken übers Wattenmeer erinnern.

 

Weitere Fotos vom Ausflug zur nur drei Quadratkilometer großen deutschen Insel im südöstlichen Teil der Helgoländer Bucht beziehungsweise im sübwestlichen Teil der Elbmündung (politisch gehört sie zum Stadtteil Neuwerk im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg) in der Rubrik Fotogalerie.

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光影敘事 guāngyǐng xùshì // Erzählungen von Licht und Schatten

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臺灣女性攝影家作品展 táiwān nǚxìng shèyǐngjiā zuòpǐn zhǎn // Ausstellung von Werken taiwanischer Fotografen weiblichen Geschlechts

Rede von Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken anlässlich der Foto-Ausstellung "Erzählungen von Licht und Schatten" am 3. April 2014 im Asien-Afrika-Institut der Uni Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1:

 

Shèyǐngjiā = heißt im Chinesischen „Fotograf“, und niemanden kümmert es, ob es sich

um eine weibliche oder männliche Person handelt, die den Auslöser betätigt. Das Geschlecht des fotografierenden Menschen tritt – ebenso wie das von LehrerInnen, BeamtInnen, HandwerkerInnen, PastorInnen – hinter ihre Funktion, hinter ihr Werk zurück.

Damit hat die chinesische Sprache – zumindest was den Ruf nach Reinigung von

sexistisch belastenden männlichen Formen anbelangt – eine Sorge weniger als unsere arme gequälte Muttersprache. Andererseits sind auf Chinesisch Verrenkungen nötig, will man

explizit darlegen, dass eine Frau die Kamera schwenkt. Die wörtliche Übersetzung von

[táiwān nǚxìng shèyǐngjiā zuòpǐn zhǎn] – des Untertitels der heute eröffneten Ausstellung – ist: Ausstellung von Werken taiwanischer Fotografen weiblichen Geschlechts.

 

Herzlich willkommen also zu was? Zu einer weiteren exotischen Frauenkunst-Ausstellung? „Ethno“ meets „Gender“? Trendgerecht und quotensicher?

 

Dazu einige Gedanken:

 

Was wir sehen, sind ja nicht einfach Fotos, Zufallsszenen etwa, oder Schnappschüsse. Es handelt sich um konzeptionierte, gestellt-inszenierte, in ihrer Wirkung gewollte und durchkomponierte Serien. Die Foto-Künstlerinnen haben das, was sie als ihre Sicht auf Umwelt und Alltag in Taiwan festhalten wollten, für uns arrangiert. Dabei ist es sicher nicht unwichtig, dass es sich um weibliche Künstler handelt, deren Blickrichtung und Auffassung sich von der ihrer männlichen Kollegen unterscheidet.

 

Das Label „Ethnic Art“ passt allenfalls auf Teile der Ausstellung, am ehesten auf das Werk

von Zhāng Yǒngjié [張詠捷] mit Szenen aus dem Leben der taiwanischen Minderheit der

Rukai im Kreis Pingdong. Minderheiten-Sujets werden erstaunlich häufig und von überproportional vielen taiwanischen Künstlern aufgegriffen. Dies hängt nicht immer mit persönlicher Betroffenheit oder einer Auseinandersetzung mit der Situation der bedrohten

Ethnien zusammen. Ansporn bietet die schulische und universitäre Kunstausbildung, die – auf der Suche nach Themen für Unterricht, Studien oder Kunstwettbewerbe – immer wieder die ethnischen Minderheiten entdeckt. Jeder Kunstschaffende befasst sich irgendwann fast zwangsläufig mit Taiwans Minoritäten, nicht selten prägt es das oevre. Hinzu kommen Trends und Marketingaspekte – Ethno sells! – sowie die pittoresken, farbenfrohen und schmückenden Settings selbst, die die Künstler und uns, das Publikum, faszinieren. Wenige Künstler leben längere Zeit bei den Minderheiten, wie Zhāng Yǒngjié, die sich auch intensiv mit Sprache und Kultur der Rukai auseinandergesetzt hat.

 

Einige Bilder, so die von „Annie“ Wāng Xiǎoqīng [汪曉青], greifen gezielt Frauenthemen,

Schwangerschaft oder Kindererziehung auf.

 

Jiǎn Fúyù [簡扶育] hat sich in der taiwanischen Frauenbewegung einen Namen gemacht, weil sie in ihren Bildern den Versuch unternimmt, eine alternative Geschichtsschreibung aus Sicht von Frauen darzustellen, und bedeutende Frauen-Persönlichkeiten in Szene zu setzen.

 

Dennoch zögere ich, den gezeigten Werken das Etikett „Gender Art“ anzuheften, auch

wenn die Promotoren im Begleittext zur Ausstellung dies anregen. Zumindest würde ich

nicht unbedingt zustimmen, dass die Bilder ausschließlich eine „Thematisierung weiblicher Identität, Befindlichkeit oder Erfahrung“ zum Ziel haben. Ich zögere auch deshalb,

weil diese Etikettierung den Beigeschmack von „Gender sells!“, von „Quoten-Kunst“ oder

„Nischen-Themen“ hat, den die Werke nicht verdienen.

 

Unbestritten: der frauenspezifische Blickwinkel bereichert die Kunst, gehört wesentlich

zur Kunst. Es ist ein Segen, dass das künstlerische Werk von Frauen heute stärker wahr

genommen wird als früher. Jahrhundertlang waren Künstlerinnen absolute Ausnahmeerscheinungen, erstklassige Werke von Frauen wurden nicht ernst genommen, nur weil sie nicht von Männern geschaffen waren. Wie viele KünstlerInnen-Persönlichkeiten bekamen

gar nicht erst eine Chance zur Entfaltung. Dies gilt für Asien nicht minder als für Europa.

In Taiwan ist Kunst, und Fotokunst insbesondere, bis heute männerdominiert. In Taiwans Kunstszene sind Fotokünstlerinnen nur eine kleine Minderheit. Ob das wirklich nur daran liegt, dass „fotografische Arbeit mit schwerer körperlicher Belastung verbunden ist“, wie der Begleittext zur Ausstellung begründet?

 

Glaubt man dem von der taiwanischen Regierung herausgegebenen Mitteilungsblatt

„Taiwan heute“, liegt es jedenfalls nicht an einem Mangel an Gleichberechtigung. Die

Emanzipation der taiwanischen Frau, die Realisierung der sozialen und geschlechtlichen

Selbstbestimmung, sei nirgendwo in Asien so erfolgreich umgesetzt wie in Taiwan. Der

von der Uno ermittelte GEM-Index (GEM = engl. Gender Empowerment Measure), der

die Partizipation von Frauen am politischen und wirtschaftlichen Leben misst, stieg für

Taiwan von 0,651 (im Jahr 2001) auf 0,754 (im Jahr 2012), was den Insulanerinnen

stabil den ersten Platz in Asien bescherte. In der Welt-Hitparade kletterten sie immerhin

vom 21. auf den 16. Platz, fast schon in Sichtweite der siegreichen Wikingerinnen aus

Island, die mit Index 0,852 in Sachen Gleichberechtigung das Maß aller Dinge sind.

 

Gemessen werden übrigens:

 

– der prozentuale Anteil von Sitzen im Parlament, die von Frauen eingenommen werden;

– der prozentuale Anteil von weiblichen Abgeordneten, hohen Beamtinnen und

Managerinnen;

– der prozentuale Anteil von weiblichen Facharbeitern und technischen Fachfrauen;

– das Verhältnis des geschätzten Einkommens von Männern und Frauen.

 

Die Gleichberechtigung hat offenbar auch andere Auswirkungen:

 

Denn in einer anderen Statistik hält die Insel unangefochten den Negativrekord. Mit nur 8,29 Geburten auf 1.000 Menschen ist Taiwan seit 2009 Schlusslicht der weltweiten Geburtenstatistik. Es wird befürchtet, dass die demografische Entwicklung in Zukunft enorme Probleme

bereiten wird, in der Bildung etwa und im Krankenversicherungssystem. Seit 2011

versucht die Regierung mit Pauschalprämien von umgerechnet 500 Euro für jede Geburt

gezielt Anreize für mehr Gebärfreude zu bieten. Umgerechnet zwanzigtausend Euro

wurden für einen Wettbewerb auslobt, einen Slogan zu finden, der die Taiwanerinnen

dazu bewegt, mehr Kinder zur Welt zu bringen. Und als wäre das alles nicht traurig

genug, spotten böse Zungen schon, dass sich die Frage einer Wiedervereinigung mit dem chinesischen Festland einfach mangels Masse erübrigen könnte.

 

Das Werk der vierten Künstlerin, Zhāng Xiùhuáng [張秀凰], lässt sich weder in die

Schublade „Ethno“ noch „Gender“ packen. Ihr Augenmerk liegt auf „Licht und Schatten“, auch Anregung für den Titel der Ausstellung. Ihre Sujets findet sie in den Schönheiten der Insel Taiwan, in den Landschaften, den Städten und Dörfern.

 

Spätestens jetzt möchte ich mich von allen Versuchen, die Ausstellung in Schubladen zu

verfrachten und mit politisch korrekten Etiketten zu versehen, verabschieden. Jede

Besucherin und jeder Besucher wird auch ohne Hintergrundinformation einen eigenen

Zugang zu den ausgestellten Werken finden können.

 

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei Ihrer persönlichen Begegnung mit den vier Fotografinnen aus Taiwan!

 

 

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Vortrag über den Boxeraufstand und die Gefallenen aus Hamburg – mit Besuch des Michels

 

Am 21. Januar 2014 lud Bambusrunde-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Matthias K. Scheer in die Hamburger St. Michaeliskirche, um auf eine dort befestigte Gedenktafel aufmerksam zu machen, auf der unter anderem steht: "Aus Hamburg starben für Kaiser und Reich in China ...". Anschließend erklärte er im Restaurant Old Commercial gegenüber der Kriche, was es mit der Tafel auf sich hat. Hier sein Vortrag:
 
Der Boxerkrieg und die Gedenktafel für die gefallenen deutschen Soldaten im Michel

 

Der Hintergrund des Boxerkriegs (1900-1901) und sein Verlauf sind sehr komplex und höchst streitig. Ich will mich trotzdem kurz fassen. Das China der Qing Dynastie (1644-1911) war seit den Opiumkriegen (1839-1842 und 1856-1860) erheblich geschwächt. Die imperialistischen Mächte rissen im 19. Jahrhundert ein Stück des chinesischen Reichs nach dem anderen an sich. Auch die christlichen Missionare des Westens waren erfolgreich. Immer mehr Chinesen wurden Christen und hoben sich in vieler Hinsicht von ihrer Umgebung ab. Bei den dadurch verursachten Streitigkeiten hielten die Westmächte zu den Christen und Missionaren und setzten dafür auch ihre Konsulargerichtsbarkeit ein. Als die Wut auf die Konvertiten, die Missionare, die Konsulargerichtsbarkeit und die sonstigen Privilegien der Imperialisten weiter gewachsen war, entstand die religiös und nationalistisch orientierte „Bewegung für Gerechtigkeit und Harmonie“, die die Fremden und die Christen aus China vertreiben wollte. Heute würde man die Boxer als Befreiungsbewegung bezeichnen.

 

Die Haltung des chinesischen Kaiserhofs war uneinheitlich. Zunächst war der Hof eher ablehnend, dann befürwortete er die Ziele der Bewegung. Als die Westmächte militärisch intervenierten, um ihre Gesandtschaften, ihre Staatsangehörigen und die chinesischen Christen zu schützen, kam es zu ausgedehnten Kampfhandlungen unter Beteiligung kaiserlicher Heeresverbände. Schließlich forderte die kaiserliche Regierung am 19. Juni 1900 die westlichen Gesandten auf, China binnen eines Tages zu verlassen. Am selben Tag wurde die deutsche Marineinfanterie mobil gemacht. Am 20. Juni wurde der deutsche Gesandte Freiherr von Ketteler ermordet. Am 21.Juni erklärte China den ausländischen Mächten, darunter dem Deutschen Reich, den Krieg.

 

Am 27. Juli 1900 hielt Kaiser Wilhelm II anlässlich der Verabschiedung der deutschen Truppen eine Rede, deren Inhalt hochstreitig ist. Darin hieß es unter anderem:

 

„Ihr wisst wohl, ihr sollt fechten gegen einen verschlagenen, tapferen, gut bewaffneten, grausamen Feind. Kommt ihr an ihn, so wisst, Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht.“

 

Einige Kommentatoren verstehen diese Passage so, dass nach Kaiser Wilhelms Kenntnis die Boxer keinen Pardon geben. Die meisten meinen allerdings, dass Kaiser Wilhelm die deutschen Soldaten auffordern wollte, keine Gefangenen zu machen. Dafür spricht auch der in mehreren Lokalzeitungen überlieferte zusätzliche Satz:

 

„Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen!“

 

Eine weitere aus der offiziellen Version gestrichene, aber von Zeitzeugen überlieferte Passage lautete wörtlich:

 

„Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie jetzt noch in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschlands in China in einer Weise bekannt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.“

 

Die Rede heißt deshalb auch die Hunnenrede. Sie ist der Grund dafür, dass vor allem die Engländer während der beiden Weltkriege die Deutschen abschätzig als die Hunnen (the Huns) bezeichneten.

 

Leider wurden dann unter anderem von deutschen Truppen zahlreiche Gefangene hingerichtet. Es gibt auch viele Berichte über Morde an Zivilisten, Plünderungen und Vergewaltigungen.

 

Der Ablauf scheint über 100 Jahre später vertraut. Westliche Truppen sollen einen Aufstand in den von ihnen direkt oder indirekt beherrschten Gebieten in Übersee im Wege einer Strafexpedition niederschlagen. Nach kurzer Zeit ist der Firnis der Zivilisation und des Völkerrechts vergessen. Gefangene und Zivilisten werden ermordet. Die Aufständischen in den Kolonien oder Halbkolonien gelten als Verbrecher, die eigenen Truppen als Hüter von Recht und Ordnung. Wenn wie hier die Aufständischen sich nicht an die - von ihnen gar nicht akzeptierten und ihnen wahrscheinlich unbekannten - Regeln des Völkerrechts halten, verletzen sie angeblich heilige Grundsätze, wenn die westlichen Imperialisten entgegen ihren eigenen Normen Gefangene oder gar Zivilisten umbringen und das sogar noch gut heißen, geschieht dies aus vermeintlich berechtigter Empörung.

 

Kaiser Wilhelms Hunnenrede hat damals nicht nur dem deutschen Ansehen im Ausland geschadet, sondern die späteren deutschen Verstöße gegen das geltende Völkerrecht mit verursacht.

 

Die Tafel im Michel, die der „für Kaiser und Reich in China und Afrika“ gefallenen deutschen Soldaten gedenkt, ist im Jahre 2013 selbst Gegenstand heftiger Diskussionen in Hamburg in den Medien und auch im Michel selbst geworden. Billigt die Kirche mit dieser Tafel die Strafexpeditionen des Deutschen Reichs in China und Afrika? Müsste nicht auch der Opfer auf der chinesischen Seite gedacht werden? Ich erinnere mich an die „Fragen eines lesenden Arbeiters an die Geschichte“ von Bertolt Brecht, die Geschichte der Sieger. In diesem Gedicht steht auch die Zeile „Weinte sonst niemand“?

 

Wir haben mit der Bambusrunde vor einigen Jahren unter der Leitung von Herrn Francke den sogenannten Heldenfriedhof in Berlin besucht. Dort befindet sich auch eine Skulptur, die zeigt, wie ein deutscher Ritter dem chinesischen Drachen den Kopf zertritt. Das Problem stellt sich gerade im Gedenkjahr 2014 bei vielen dieser Kriegerdenkmäler in Hamburg, z.B. dem größten von allen, dem von Barlach gegenüber dem Rathausmarkt an der Kleinen Alster mit dem Text: „Vierzigtausend Söhne der Stadt ließen ihr Leben für Euch.“ Das Denkmal stammt aus der Weimarer Zeit, daher fehlen Hinweise auf Kaiser und Reich. Trotzdem empfinde ich es als beklemmend, dass die Toten des Ersten Weltkriegs für uns gefallen sein sollen.

 

Wenn wir uns in diesem Jahr mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Ursachen beschäftigen, sollten wir auch die deutsche Intervention in China, Kaiser Wilhelms Hunnenrede, die deutschen Kriegsverbrechen in China und anderswo und das Leid der Zivilbevölkerung in den vom Krieg betroffenen Ländern nicht vergessen.

 

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Zum Jiaozi-Fest der Bambusrunde am 22.11.2012: Ravioli, jiǎozi, Maultaschen?

Ein Vortrag von Dr. Gerd Boesken:

 

"Jiǎozi (餃子) ist heute der gebräuchliche Name für eine der traditionellen Arten chinesischer Teigtaschen, je nach Zubereitung auch shuǐji ǎo 水餃(in kochendem Wasser zubereitet), zhēngjiǎo 蒸餃(gedämpft), guōtiē 鍋貼(“Pfannenkleber“) oder húntún 餛飩 -um nur einige der unzähligen, und nach Landschaft variierenden Namen zu nennen. Die Etymologie des Wortes Jiaozi “餃子” reicht in die Song Dynastie zurück, damals noch als “角兒(jiǎo ér, kleine Eckchen)” bezeichnet.

Im Norden gelten Teigtaschen als zhŭ shí (主食) Hauptgericht, sie können auch am Ende eines delikaten vielgängigen Essens als „Sattmacher“ nachgeschoben werden. Im Süden, besonders in Guangdong, werden sie zu den diǎnxīn (點心) bzw. Dim- sum – den kleinen Leckereien aus Töpfchen, Pfännchen und Dämpfstiegen gezählt. Von Gourmets wird hier allerdings klar getrennt. Grundsätzlich sind Jiǎozi (餃子) auch zu unterscheiden von den mit Hefeteig gefertigten „Dämpflingen“ Bāozi (包子), mit denen sie von lukullischen Ignoranten oft in einen Topf geworfen werden. Und kommen Sie mir nicht mit: De gustibus non est disputandum. Von wegen! Hier geht es nicht um den Geschmack, über den man nicht streiten kann. Jiaozi und Baozi sind schlicht etwas anderes, Äpfel sind ja auch keine Birnen.

Schon die Form ist verschieden: Jiaozi sind mondsichelförmig, Baozi, wie z. B. die Shanghaier Xiǎolóngbāo (小籠包) sind rund. Der Teig ist verschieden: Jiaozi nur aus Wasser und Weizen-Mehl, Baozi mit etwas Hefe oder Backpulver und aus Weizen- oder Reis-Mehl. Die Füllung ist verschieden: Jiaozi meist mit Schweinefleisch und Gemüse, Xiaolongbao auch mit Meeresfrüchten und Gemüse. Sowohl Jiaozi als auch Baozi können gekocht, gedämpft, gebraten oder frittiert werden, und häufig dippt man sie in Essig-Sojasauce.

Eine gern und heftig diskutierte Frage bleibt: „Wer hat’s erfunden“?  Wo wurden Maultaschen - Dumplings - Ravioli erstmals von Hand gefertigt, gekocht, gedämpft oder gebraten? Ist schon Alexander The Great mit Dumplings großgezogen geworden? Hat Julius Caesar auf der Via Appia „Ravioli“ verfrühstückt? Oder stimmt es, wie jeder chinesische T ouristenführer seinen "langnäsigen" Reisetrupps weismachen will, dass Marco Polo Ende des 13. Jahrhunderts die Jiaozi nach Europa gebracht hat, wo die originär chinesische Delikatesse seither als Raubkopie hergestellt wird?

Wie für viele Dinge hat der Chinese auch hier Sprüche und Ursprungsmythen parat. Eine Legende beruht auf dem Mythos der Erschaffung der Welt: Am Anfang war da nichts als ungeformtes Chaos namens Hŭndùn (混沌), eine schlammige „Füllung“, die von Wassern umgeben war. Hieraus erschuf Gott Pángŭ (盤古) die Welt. Göttin Nǚwā (女媧) formte die ersten Menschen aus dem Schlamm der Flüsse. In der eisigen Kälte fielen den Schlammgeformten die Ohren ab. Nüwa formte Löcher in die Ohren und verknüpfte sie mit einer Schnur, deren Enden sie in den Mündern der Menschen zusammengeführte. In Erinnerung hieran werden zum Winteranfang Jiaozi zubereitet, in Form von Ohren, mit einer “Schnur als Füllung“ - das Wort für Schnur xiàn (線) hat dieselbe Aussprache wie das Wort xiàn (餡) für Füllung.

Symbolik und Assoziation: die Form der Jiaozi erinnert an Gold- und Silberbarren, Synonyme für Glück und Wohlstand. Verschiedene Füllungen tragen gute Wünsche in das kommende Jahr: Erdnüsse oder Walnüsse stehen z.B. für langes Leben (Walnüsse werden in der chinesischen Medizin 長壽果genannt), mit einer Dattel-Kastanienfüllung wünscht man reichen Kindersegen (棗子zǎozi = 早zǎo frühzeitig, möglichst bald, 栗子lìzi = 利lì = gewinnen) „möget ihr baldmöglichst Söhne gewinnen“.

Es gibt – besonders im Norden – eine ausgeprägte familiäre Jiaozi-Esskultur. Am Neujahrsabend sitzt man zusammen und bereitet vor Mitternacht große Mengen Maultaschen zu, die dann an den Tagen des Jahreswechsels gemeinsam verzehrt werden. Diese Tradition heißt 更歲交子(gèngsuì jiāozi) „Das alte Jahr reicht dem neuem Jahre die Hand“.

Erste schriftliche Zeugnisse über Huntun finden sich im Buch (廣雅guǎng yǎ) aus der Zeit der drei Königreiche im dritten nachchristlichen Jahrhundert. Der Autor Zhāng Yī (張揖) lobt hier die Mondform der „delikaten Teigtaschen“, die er als Huntun bezeichnet. Ein Tangzeitliches Kochbuch beschreibt die Zubereitung von “tāng zhōng láo wán” (湯中牢丸) „in Suppe gekochte Knödel“.

Mit diesen Belegen sollte die Frage des Copyrights auf Ravioli – Maultaschen – Dumplings vom Tisch sein! Wem das aber nicht reicht:

Archäologische Funde belegen Jiaozi seit über 1300 Jahren. In einem in den 60er Jahren bei Turfan in Xinjiang entdeckten Grab aus der Tangdynastie fand sich ein Mitgift-Korb, der – konserviert im Wüstensand – gut erhaltene Jiaozi enthielt.

Wir von der Bambusrunde haben heute allerdings das Glück, ganz ganz frische Jiaozi serviert zu bekommen. Ich wünsche Ihnen guten Appetit und angeregte Unterhaltung."

 

Fotos vom 1. Jiaozi-Fest finden Sie in der Rubrik Fotogalerie.

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Drachenboot-Dinner mit Agnes H.Y. Chen und Dr. Thomas Mirow

 

Am 31. Oktober 2013 lud der Taiwan Freundeskreis Bambusrunde e.V. traditionell zum Drachenboot-Galadinner in den Hamburger Anglo-German-Club. Mit knapp 80 Gästen aus Wirtschaft. Politik und Medien war die Abendveranstaltung bereits lange im voraus ausgebucht. Dinner-Speaker war diesmal Dr. Thomas Mirow, Vorsitzender des Aufsichtsrates der HSH Nordbank AG, Hamburg.
 
Bambusrunde-Präsident Dr. Gerd Boesken erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass der Freundeskreis seit nunmehr 44 Jahren wirtschaftliche, politische und kulturelle Kontakte zu Taiwan fördere und koordiniere, um darauf aufmerksam zu machen, "dass es sich lohnt, sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen auf der kleinen Insel auseinanderzusetzen." Er verwies auf das "Wirtschafts- und  Demokratiewunder" des Landes sowie auf die starke Annäherung zwischen Taiwan und China in den vergangenen Jahren, die nun wiederum die Bambusrunde veranlasse, über Funktionen und Aufgaben des Vereins neu nachzudenken. 
 
Für den langjährigen Einsatz des Freundeskreises bedankte sich anschließend Frau Agnes H.Y. Chen, Repräsentantin der Republik China auf Taiwan in Deutschland und frühere Generaldirektorin in Hamburg, in ihrem Grußwort. Sie hoffe auf Fortsetzung des Engagements und betonte die guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Taiwan.
 

Auch After-Dinner-Speaker Dr. Thomas Mirow, Vorsitzender des Aufsichtsrates der HSH-Nordbank, brachte seine Erfahrungen mit Taiwan ein. In zwei beruflichen Stationen habe er mit dem Land zu tun gehabt: Als er Wirtschaftssenator in Hamburg und zusätzlich Aufsichtsratsvorsitzender der HHLA war, ging es darum, die Elbe zu vertiefen, um Forderungen der Containerschiff-Reedereien, insbesondere der für den Hamburger Hafen so wichtigen taiwanischen Evergreen, zu erfüllen. "And we did it", so Mirow. Er hoffe, dass die jetzt diskutierte erneute Vertiefung auch wieder umgesetzt werde.

 

Taiwan als Beispiel für den erfolgreichen Schritt in die Wissensgesellschaft

 

"Das zweite Mal, dass ich viel mit Taiwan zu tun hatte, war in meiner Eigenschaft als Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung", berichtete Mirow. Taiwan habe zwar nicht Mitglied der EBRD (von engl.: European Bank for Reconstruction and Development) sein können, doch das Land sei über Fonds mit Projekten der Bank verbunden gewesen. "Ich erinnere mich sehr gut an meinen letzten Besuch in Taiwan", so Mirow. "Nicht nur deshalb, weil mir dieses wunderbare Nationalmuseum noch einmal gezeigt wurde, was eines der schönsten Museen ist, das ich in meinem Leben gesehen habe, sondern auch, weil man mir in der ganzen Breite vorgeführt hat, über welche ungewöhnlichen technologischen Fähigkeiten dieses Land verfügt." Das habe ihn sehr beeindruckt und fasziniert. Deshalb habe er Taiwan oft als ein Beispiel dafür genutzt, wie der Schritt in die Wissensgesellschaft geschafft werden könne. Mirow: "Es gibt nicht sehr viele Länder auf dieser Welt, die das vermocht haben in einer Generation. Israel ist ein solches Land, Südkorea ist ein solches Land, und Taiwan ist ein solches Land." Er wünsche sich, dass Länder wie Rumänien, Bulgarien, Kroatien oder Serbien daraus "die richtigen Schlussfolgerungen" zögen – "bei all den jeweiligen nationalen Besonderheiten, die es gibt."

 

Die Krise der HSH Nordbank hat viele Ursachen

 

Verbindungen zwischen Taiwan und der HSH Nordbank gebe es laut Mirow keine. Das habe wesentlich damit zu tun, dass der Versuch, aus der auf Schiffsfinanzierung spezialisierten HSH eine international tätige Geschäftsbank zu machen, "grandios gescheitert" (Mirow) sei. "Die HSH Nordbank ist auf dem Weg, wieder eine regionale Bank zu werden", sagte Mirow.

 

Für die Krise der Bank gebe es seiner Ansicht nach verschiedene Gründe: zum einen die Fehlentwicklungen in der Schifffahrt in den letzten Jahren: "Vielerorts wurde aufgrund monetärer Politik oder steuerlicher Anreize Kapital in diesen Markt gezogen, jenseits aller vernünftigen Betrachtung, was denn eigentlich die Nachfrage sein wird", erklärte Mirow. "In dem Augenblick, wo man Leuten Steuermittel zusätzlich in Aussicht stellt, dafür, dass sie irgendwo investieren, kommt es zu Fehlinvestitionen, wie auch schon auf dem Wohnungsmarkt nach der Wiedervereinigung. Das ist ein hochgefährliches Instrument." Zudem gebe es neben der Schifffahrtskrise auch die Wirtschafts- und Finanzkrise, was wiederum den Welthandel bremse. Die Nachfrage lasse nach, aber im Schiffbau würden trotz der Überkapazitäten aus strategischen Überlegungen einzelner Unternehmen heraus und wegen günstiger Kredite immer weiter Schiffe neu in Auftrag gegeben, kritisierte Mirow.

 

Kreditfinanziertes Aufblähen der Geschäftstätgkeit ohne ein wirklich stringentes Geschäftsmodell

 

Hinzu komme, dass die HSH selbst in schwierigem Fahrwasser sei wegen großer Fehler, die man in der Vergangenheit gemacht habe: Die EU habe 2001 die Gewährträgerhaftung abgeschafft – mit einer Frist bis 2005. Die Bank habe dann diese Übergangeperiode  genutzt, um sich "sehr viel Liquidität zu günstigen Konditionen anzuschaffen", so Mirow. "Und das ist eine der alten Menschheitserfahrungen: Die größten Fehler macht man immer dann, wenn man viel Geld hat: (...) Die HSH hatte kein wirklich stringentes Geschäftsmodell, und deswegen hat man sich in alle möglichen Bereiche begeben, von denen man nichts verstand." Und in den Bereichen, von denen man etwas verstand, habe man zu viel zugelassen. So seien Unternehmen so hohe Kredite eingeräumt worden, dass nicht mehr die Unternehmen von der Bank abhängig gewesen seien, sondern die Bank von den Unternehmen.

 

Doch nicht nur das: Gleichzeitig seien die Niedrigzinsphase und neue regulatorische Anforderungen an die Banken im Hinblick auf Eigenkapital und auf Liquidität belastend für die HSH. Auch die Tatsache, dass die Europäische Zentralbank in einem Jahr die Aufsicht über die 130 größten Banken in Europa übernehmen wird, unter ihnen die HSH, hätten Auswirkungen auf die HSH – etwa in Form von zahlreichen Prüfungen der Bilanzqualität.

 

Fazit von Mirow:

"Die HSH wird – immer vorausgesetzt, dass sie alle Herausforderungen besteht – als Schiffsfinanzierer auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. (...) Aber das Bekenntnis zu der Branche und zur maritimen Wirtschaft kann nicht gleichgesetzt werden mit einem Strukturkonservatismus." Etliche Schiffahrtsunternehmen müssten laut Mirow dringend ihre Managementstrukturen modernisieren, ihre Wettbewerbsfähigkeit strukturell erhöhen und sich vor dem Hintergrund veränderter Finanzierungsmodalitäten einen verbesserten Zugang zu den Kapitalmärkten verschaffen - zum Beispiel indem sie Anleihen begäben. Mirow: "Die maritime Wirtschaft hat hier noch manches nachzuholen, was andere Sektoren des Mittelstandes in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren erfolgreich vorgemacht haben."

 

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Großer Empfang anlässlich des 102. Jahrestages der Republik China

Zur Feier des 102. Jahrestages der Republik China lud das Hamburger Büro der Taipeh Vertretung am 8. Oktober 2013 ins Hotel Atlantic. Fast 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur kamen. "Die Welt" berichtete darüber.

 

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Drachenboot-Dinner: Parlamentarier Willsch hebt „florierende Beziehungen“ zwischen Taiwan und Deutschland hervor

Fotos sehen Sie in der Fotogalerie.

 

Mehr als 70 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien kamen am Mittwoch, 30. Oktober 2012, zum traditionsreichen Drachenboot-Dinner der Bambusrunde in den erlauchten Anglo-German-Club an der Hamburger Außenalster. Küchenchef Gerald Pütter und sein Team verwöhnten mit geräucherter Entenbrust, Maispoulardensuppe und in Sesamöl gebratenem Rotbarbenfilet die Gaumen. Lob fand auch der Riesling aus dem Weingut Wegeler und der Cahors des Château la Caminade.

 

Taipeh-Repräsentant Dr. Wei plädiert für ein Freihandelsabkommen mit der EU

Gehaltvoll waren ebenfalls die Reden des geselligen Abends: Nachdem der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Vorstand der Bambusrunde Klaus Francke die Gäste herzlich willkommen geheißen hatte, dankte Herr Dr. iur. Wu-lien Wei, Repräsentant der Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, in seinem Grußwort anschließend der Bambusrunde für ihre langjährige Freundschaft zu Taiwan und seinen Menschen. Außerdem dankte er Klaus-Peter Willsch MdB, der später am Abend die Dinner-Rede hielt, für dessen Engagement als Vorsitzender des Parlamentarischen Freundeskreises Berlin-Taipei. „Die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Taiwan sind traditionell sehr eng und vertrauensvoll“, so Wei. Um diese weiter zu verbessern, setze die Regierung Taiwans verstärkt auf bilaterale Freihandelsabkommen und sei sehr an der Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU interessiert. Wei: „Die Unterstützung deutscher Unternehmen ist uns dabei mehr als willkommen.“

 

Dinnerspeaker Klaus-Peter Willsch MdB nahm in seinem Vortrag, der sich mit dem Thema „Dreieck Taipei – Peking – Berlin im Spiegel der Parlamentsdiplomatie“ befasste, den Faden auf und betonte ebenfalls den hohen Wert der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Taiwan: „Deutschland ist sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Taiwans wichtigster Partner in Europa“, so Willsch. „Aus deutscher Sicht ist Taiwan an fünfter Stelle der wichtigste Handelspartner in Asien und steht 2011 an 28. Stelle weltweit.“ Trotz der relativ geringen Bevölkerungszahl Taiwans (etwa 23 Millionen Einwohner) komme der Handel mit Taiwan auf ein Volumen von rund 13 Milliarden US-Dollar. In Taiwan seien circa 250 deutsche Unternehmen ansässig.

 

Willsch: „Taiwan interessiert sich für das Energiekonzept der Bundesregierung“

Laut Willsch interessiere sich Taiwan insbesondere für Deutschlands energiepolitische Entwicklungen und den damit einhergehenden Ausbau grüner Technologien: „Im Februar 2011 informierte sich eine hochrangige taiwanische Ministerdelegation in Deutschland über das Energiekonzept der Bundesregierung 2050, woraus sich eine Reihe von Folgeprojekten entwickelt haben. Der Besuch des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium Otto im September 2011 in Taipei konnte dieser Kooperation weitere Impulse verleihen“, berichtete er.

 

Auch wies Willsch darauf hin, dass Taiwan sehr präsent auf deutschen Messen sei: „2011 stellten taiwanische Unternehmen mit 3.992 Ausstellern auf 94 deutschen Messen über vier Prozent aller ausländischen Aussteller.“ Taiwan sei damit das siebtwichtigste Ausstellerland in Deutschland.

 

Angesichts dieser florierenden Beziehungen sei es laut Willsch umso schöner, dass die Schengenvisumpflicht für Touristen und Geschäftsleute aus Taiwan abgeschafft wurde. Deutsche, die nach Taiwan wollen, brauchen schon länger kein Visum mehr, wenn sie nicht mehr als 90 Tage bleiben möchten. Ein weiterer großer Erfolg sei nach den Worten Willsch’ die Verabschiedung eines Doppelbesteuerungsabkommens, das am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft treten werde und eine erhebliche Vereinfachung für die Wirtschaft bedeute.

 

Deutsch als vierte Fremdsprache in Taiwan

Auch was die zwischenmenschlichen Kontakte zwischen Deutschen und Taiwanern anbelange, seien erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Willsch: „Seit Oktober 2010 bietet Deutschland ein ‚Working-Holiday-Programm’ für junge Taiwaner und Deutsche an. Ein ‚Working-Holiday-Visum’ ermöglicht einen maximal einjährigen Aufenthalt in Deutschland, bei dem man zeitlich befristet arbeiten, studieren oder Urlaub machen kann.“

 

Insgesamt würden fast 3.000 taiwanische Oberschüler Deutsch lernen, das in Taiwan damit nach Englisch, Japanisch und Französisch an vierter Stelle bei den Fremdsprachen liege. An mehr als 40 Schulen würde Deutsch sogar als zweite Fremdsprache angeboten. Darüber hinaus würden etwa 1.200 Studentinnen und Studenten aus Taiwan in Deutschland studieren.

 

Taiwan als Vorbild und „Leuchtturm der Demokratie“

Angesichts dieser Vielzahl an erfreulichen Entwicklungen bedauerte Willsch aber auch, dass die „Ein-China-Politik“, die zur Folge habe, dass Deutschland Taiwan nicht als souveränen Staat anerkenne, auf politischer Ebene enge Rahmen setze. „Der politischen Führungsriege Taiwans wird bedauerlicherweise die Einreise in unser Land verweigert – auch wenn es sich um reine Privatreisen handelt“, erklärte Willsch. Er würde sich deshalb wünschen, dass man mit Taiwan nicht „päpstlicher als der Papst“ umgehe. Willsch: „Denn Taiwan ist ein Leuchtturm der Demokratie für die gesamte Region. Die Menschen in Taiwan leben in Freiheit. Sie arbeiten hart für den Wohlstand. Die Früchte sind eine stabile Demokratie und eine florierende Wirtschaft. Taiwan ist Vorbild. Und mich ärgert es persönlich sehr, dass den Rotchinesen der rote Teppich ausgerollt wird, der Präsident eines demokratisch gewählten Parlamentes aber nicht privat seine Universitätsstadt Heidelberg besuchen darf.“

 

Präsident Ma sorgt für Entspannung in der Taiwanstraße

Willsch begrüße den „pragmatischen Kurs“ in der China-Politik, den der Präsident Ma Ying-jeou seit 2008 eingeschlagen habe und der auf dem Konsens von 1992 basiere: dem Bekenntnis zu einer chinesischen Nation, aber mit der Einschränkung: „Ein China, zwei Interpretationen“. Dazu kämen die drei „No“ von Präsident Ma: „No independence, no unification, no use of force.“ Entspannung in der Taiwanstraße sei laut Willsch eine – „wenn nicht die zentrale“ – Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand in Taiwan. Er erinnerte daran, dass Taiwan und China im Juni 2010 ein wirtschaftliches Rahmenabkommen „ECFA“ („Economic Cooperation Framework Agreement“) unterzeichneten, dem noch einige weitere Abkommen bis heute folgten. Das habe unter anderem dazu geführt, dass über 550 wöchentliche Direktflüge, ein reger Touristenverkehr, eine engere finanzielle Zusammenarbeit (Bankenaufsicht, Eröffnung von Filialen), Kooperation in strafrechtlichen Fragen (Auslieferung von Wirtschaftskriminellen), eine Vereinbarung zum Schutze des geistigen Eigentums und engere medizinische Zusammenarbeit sowie ein Investitionsschutzabkommen möglich wurden. Im Rahmen von ECFA arbeite zudem ein gemeinsamer Wirtschaftsausschuss, so Willsch – „das erste Gremium, in dem sich hohe Regierungsvertreter beider Länder gegenübersitzen.“

 

Auch führte Willsch an, dass es seit Mai 2011 „Tourismusbüros“ in Taipei und Peking gebe und im Juli 2011 das taiwanische Tourismusbüro in Hong Kong zu einer inoffiziellen Vertretung aufgewertet worden sei. Diese Büros könnten sich laut Willsch eines Tages vielleicht zu nahezu vollwertigen Botschaften entwickeln.

 

Deutschlands Rolle

Die Annäherung Taiwans und Chinas habe aber nicht nur zu einem Ausbau der Wirtschaftskontakte geführt, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen vertieft. Der Parlamentarier Willsch wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im geteilten Deutschland nicht zuletzt die vielen Kontakte und Besuche zwischen West- und Ostdeutschen mittelfristig zum Fall der Mauer geführt hätten. Allerdings sei die Situation eine wesentlich andere gewesen als die in der Taiwanstraße: „Die BRD und die DDR waren beide in Machtblöcken stark verankert“, so Willsch. Taiwan hingegen sei leider außenpolitisch so gut wie isoliert. Weil eine Hongkong-Lösung oder eine Vereinigung mit China unter volksrepublikanischem Vorzeichen von der Bevölkerung Taiwans abgelehnt würde, müsse Taiwan nach Willsch’ Einschätzung also auf einen Wandel Chinas aus seinem Inneren heraus hoffen.

 

Deutschland könne dabei eine wichtige Position einnehmen. Denn angesichts dessen, dass China der größte Gläubiger der hoch verschuldeten USA sei, sehe Willsch die Rolle Amerikas als Schutzmacht von Taiwan kritisch. Deutschland hingegen werde als eines der wenigen Länder bezeichnet, die überhaupt noch Einfluss auf China hätten bzw. deren Stimme in China gehört werde.